Kampagnenton · Lesedauer ca. 12 Min.

Wenn der Tonfall bei Elektromobilität kippt

Elektroauto an öffentlicher Ladesäule

In deutschen Spots zur Elektromobilität wechseln Marken oft innerhalb weniger Sekunden den Register: erst Zahlen zu Reichweite und Ladeleistung, dann Familienbilder am Supermarkt, dann wieder Technikstolz. Der Bruch ist hörbar — und für Zuschauer spürbar.

Zwei Erzählachsen

Die eine Achse betont Kontrolle: Kilometer, Minuten, Stecker. Die andere betont Selbstverständlichkeit: Schule, Wochenendeinkauf, Städtereise. Beide sind legitim. Problematisch wird es, wenn Claims aus der Kontrollachse mit Bildern aus der Alltagsachse belegt werden, ohne die Lücke zu erklären — etwa wenn „in 20 Minuten bereit“ über einer Szene steht, in der niemand lädt.

Was in Briefings auffällt

Bei der Auswertung paralleler Spotstarts sehen wir häufig dieselben Versprechen mit leicht verschobenem Wortlaut. Entscheidend ist weniger die Prozentangabe als der Kontext: Wird die Ladesäule als Infrastruktur oder als Statusobjekt gezeigt? Wirkt die Stimme aus dem Off beruhigend oder belehrend? Diese Nuancen entscheiden, ob der Spot als Hilfestellung oder als Druck wahrgenommen wird.

Praktische Ableitung

Für Markenteams lohnt sich vor dem nächsten Launch eine einfache Probe: Claim und Bildfolge getrennt lesen. Wenn der Satz ohne Bild unklar bleibt oder das Bild ohne Satz eine andere Geschichte erzählt, kippt der Tonfall. In Workshops legen wir drei aktuelle Clips nebeneinander — oft reicht das, um interne Leitplanken zu schärfen.

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